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Zuletzt aktualisiert am: 06.05.2026
Fortbildung gehört in unseren Berufen einfach dazu. Neue Studien, neue Verfahren, andere Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten – wer stehen bleibt, fällt zurück. So weit, so klar. Schwieriger wird es, sobald es konkret wird: Was ist eigentlich Pflicht? Was zählt für die Punkte? Und wie findet man bei der Flut an Angeboten den Kurs, der zu einem passt?
Räumen wir gemeinsam die häufigsten Irrtümer aus dem Weg.
Wer muss eigentlich? Die Fortbildungspflicht im Klartext
Der wohl hartnäckigste Mythos zuerst: „Ich bin Therapeutin, also muss ich mich gesetzlich fortbilden.“ Stimmt so nicht.
Die Fortbildungspflicht im Heilmittelbereich – geregelt in den Verträgen nach § 125 SGB V – gilt nur für zwei Gruppen:
- Praxisinhaberinnen und Praxisinhaber mit eigener Kassenzulassung
- Fachliche Leitungen zugelassener Einrichtungen
Für sie gilt: 60 Fortbildungspunkte in vier Jahren, also 45 Zeitstunden, möglichst gleichmäßig verteilt.
Wer angestellt arbeitet, hat keine eigene gesetzliche Pflicht. Stattdessen muss die Praxis dafür sorgen, dass ihre angestellten Therapeutinnen und Therapeuten in vier Jahren mindestens 20 Punkte sammeln. Der Unterschied klingt klein, ist aber wichtig: Als Angestellte erfüllen Sie keine persönliche Pflicht – Sie arbeiten an der Verpflichtung Ihrer Praxis mit. Und natürlich an Ihrer eigenen Entwicklung.
Wer in dieser Zeit in Elternzeit geht, im Mutterschutz ist oder länger als drei Monate krank, dem reduziert sich die Punktzahl entsprechend. Auch ein späterer Berufseinstieg im laufenden Vierjahreszeitraum wird anteilig berechnet.
Welche Kurse zählen – und welche nicht
Hier liegt der zweite große Irrtum: Nicht jeder interessante Kurs bringt automatisch Punkte. Damit eine Fortbildung anerkannt wird, muss sie inhaltlich auf den eigenen Heilmittelbereich ausgerichtet sein und aktuelles, möglichst evidenzbasiertes Wissen vermitteln. Eine Ergotherapeutin bekommt für einen Kurs zur Sprachentwicklung keine Punkte – die Logopädin im selben Raum schon.
Was nicht zählt, überrascht im Praxisalltag oft:
- Praxisorganisation, EDV, Marketing, Steuern, Abrechnung
- Praxisgründungsseminare und Persönlichkeitsschulungen
- reines Selbststudium ohne Teilnahmenachweis
- Mitgliederversammlungen, Messen
- die eigene Tätigkeit als Dozentin oder Referent
- Fortbildungen zu nicht verordnungsfähigen Methoden – darunter fallen unter anderem Hippotherapie, Musik- und Tanztherapie sowie alle lerntherapeutischen Inhalte (LRS, Dyskalkulie). Selbst wenn solche Leistungen in Ihrer Praxis stark nachgefragt werden: Punkte gibt es dafür nicht, weil sie nicht zulasten der Krankenkassen abgerechnet werden können.
Online ist nicht zweite Liga
Eine Frage, die uns oft erreicht: „Bekomme ich für eine Online-Fortbildung weniger Punkte?“ Nein. Mit den Vertragsanpassungen sind Online-Fortbildungen Präsenzveranstaltungen vollständig gleichgestellt – sie erhalten die volle Punktzahl. Voraussetzung ist nur, dass die Teilnahme registriert und protokolliert wird und Sie während der Fortbildung direkt mit den Dozierenden interagieren können. Reine Webinare zum Zurücklehnen ohne Austausch zählen also nicht – ein gut gemachter Live-Kurs vor dem Bildschirm aber genauso viel wie der Tag im Seminarraum.
Sonderfall Physiotherapie: Zertifikat oder keine Abrechnung
Für die Physiotherapie kommt eine zweite Ebene dazu, die mit der Fortbildungspflicht verwandt ist, rechtlich aber etwas anderes regelt. Im Heilmittelkatalog der Heilmittel-Richtlinie sind bestimmte Maßnahmen mit einem Sternchen markiert. Sie verlangen eine zusätzliche, abgeschlossene Weiterbildung – ohne dieses Zertifikat dürfen sie nicht zulasten der gesetzlichen Krankenkassen abgerechnet werden.
Konkret betroffen sind:
| Maßnahme | Worum es geht |
|---|---|
| Manuelle Lymphdrainage (MLD) | spezielle Technik zur Förderung des Lymphabflusses |
| Chirogymnastik | funktionelle Wirbelsäulengymnastik als Einzeltherapie |
| KG-Gerät | gerätegestützte Krankengymnastik an medizinischen Trainingsgeräten |
| KG-ZNS-Kinder | Bobath oder Vojta für Kinder bis 18 Jahre |
| KG-ZNS | Bobath, Vojta oder PNF ab 18 Jahren |
| Manuelle Therapie (MT) | Behandlung reversibler Funktionsstörungen am Bewegungssystem |
Diese Anforderung gilt für jede Therapeutin und jeden Therapeuten, der die Maßnahme erbringen soll – nicht nur für die fachliche Leitung. Für viele Angestellte ist das tatsächlich der erste echte Anlass, sich intensiver mit dem Thema Weiterbildung zu beschäftigen. Eine Zertifikatsausbildung in MT oder MLD bringt Praxisinhaberinnen übrigens auch Fortbildungspunkte: 15 pro Jahr, allerdings höchstens 45 über den gesamten Vierjahreszeitraum.
Tiefe oder Breite – was passt zu Ihnen?
Spezialisieren oder breit aufstellen? Eine pauschale Antwort gibt es nicht.
Spezialisierung lohnt sich, wenn Sie sich gezielt als Expertin für ein bestimmtes Patientenbild positionieren wollen – Sportphysiotherapie, Schluckdiagnostik, Stottertherapie bei Kindern, Manuelle Therapie. Sie werden zur Anlaufstelle, bauen einen klaren Ruf auf, können sich entsprechend positionieren. Die Kehrseite: Wer sich zu früh und zu eng festlegt, macht sich abhängig. Verschieben sich Verordnungsgewohnheiten oder das eigene Interesse, kann das anstrengend werden.
Generalistisch zu arbeiten passt zu Praxen mit breitem Patientenspektrum und zu allen, die flexibel bleiben wollen. Wer vieles solide beherrscht, ist anpassungsfähig – ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Was häufig fehlt, ist ein scharfes Profil. Aber auch das kann Stärke sein: Allrounder bringen einen ganzheitlichen Blick mit, der Spezialisten oft fehlt.
In der Praxis ist die Frage selten ein Entweder-oder. Eine solide Basis plus ein, zwei klare Schwerpunkte ist für die meisten der robusteste Weg.
Den richtigen Anbieter erkennen
Der Fortbildungsmarkt für Heilmittelberufe ist groß und nicht immer übersichtlich. Hier kursiert ein verbreitetes Missverständnis: Ein Anbieter müsse zwingend von einem Berufsverband akkreditiert oder von einer Behörde zugelassen sein, damit seine Kurse etwas taugen. Das stimmt nicht.
Außerhalb der Zertifikatspositionen in der Physiotherapie gibt es weder ein staatliches Anerkennungsverfahren für Fortbildungen noch einen verpflichtenden Verbandsstempel. In Logopädie, Ergotherapie und auch in der Physiotherapie gibt es zahlreiche private Institute – und sogar einzelne Praxen –, die exzellente Fortbildungen anbieten und die Kriterien für die Punktevergabe vollständig erfüllen. Die entscheidende Frage ist nicht, wer das Logo auf der Website hat, sondern was drinsteckt.
Worauf es wirklich ankommt
Die Inhalte. Wird klar beschrieben, was Sie lernen, mit welchen Methoden gearbeitet wird, auf welcher Studienlage die Inhalte basieren? Gibt es eine Literaturliste? Werden Lernziele konkret benannt? Seriöse Anbieter sind hier transparent, ohne dass Sie nachfragen müssen.
Die Dozentinnen und Dozenten. Eine Fortbildung steht und fällt mit den Menschen vorne. Achten Sie darauf, dass die Dozierenden im jeweiligen Heilmittelberuf ausgebildet sind oder aus einem nahen Fachgebiet kommen, mehrere Jahre praktische Berufserfahrung mitbringen und mit aktuellen Studien arbeiten. Im Idealfall stellt das Institut sie vor – mit Werdegang, Schwerpunkten und idealerweise unabhängigen Bewertungen.
Die Punkte. Lassen Sie sich vor der Buchung kurz erklären, mit welcher Begründung Punkte vergeben werden. Wer großzügig Punkte verspricht, ohne erläutern zu können, wie sie zustande kommen, ist mit Vorsicht zu genießen. Im schlimmsten Fall werden zu Unrecht ausgestellte Bescheinigungen bei einer Prüfung nicht anerkannt – und Sie stehen mit zu wenigen Punkten da.
Die Kommunikation. Wie ein Anbieter im Erstkontakt mit Ihnen umgeht, sagt viel darüber aus, wie er später mit Ihnen als Teilnehmerin umgehen wird. Persönliche Ansprache, ehrliche Beratung – auch mal der Hinweis, dass ein anderer Kurs besser passt – das sind gute Zeichen. Künstliche Rabattfristen und Verkaufsdruck das Gegenteil.
Das Format. Online, Präsenz, Hybrid – entscheidend ist, dass Format und Inhalt zusammenpassen. Manuelle Techniken brauchen das Vor-Ort-Üben. Theoretische Grundlagen, Diagnostik, neue Therapieansätze lassen sich online oft hervorragend vermitteln. Fragen Sie nach Praxisanteil und Gruppengröße – beides beeinflusst direkt, was Sie aus dem Kurs mitnehmen.
Die Konditionen. Stornoregelungen, Zahlungsmodalitäten, Nachholmöglichkeiten bei Krankheit sollten klar und schriftlich geregelt sein. Bei längeren oder teureren Ausbildungen lohnt sich eine Besichtigung vor Ort.
Drei Fragen, dann sind Sie auf Kurs
Statt einer Checkliste mit dreißig Punkten reichen drei ehrliche Fragen vor jeder Fortbildung:
- Passt der Kurs dahin, wo ich heute stehe?
- Bringt er mich dahin, wo ich morgen sein möchte?
- Vertraue ich diesem Anbieter?
Wenn Sie alle drei mit Ja beantworten können, treffen Sie eine gute Entscheidung
Und wo finden Sie diese Fortbildung?
Bleibt eine Frage: wo suchen? Google liefert Treffer – aber auch zwanzig offene Tabs.
Schneller geht es mit unserem Fortbildungsfinder. Dort sehen Sie aktuelle Angebote unterschiedlichster Institute, Akademien und Praxen auf einen Blick und filtern nach Region, Online oder Präsenz, Thema, Anbieter oder Dozentin. Ein Klick, und Sie sind direkt beim Anbieter.
Das Angebot ist bewusst breit gemischt – große Akademien stehen neben kleineren Instituten und spezialisierten Praxen, die ihre Kurse kostenfrei eintragen können. Die Nutzung ist für Sie ebenfalls kostenlos, eine Anmeldung brauchen Sie nur, wenn Sie Favoriten speichern wollen.
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Fortbildung ist keine lästige Pflicht. Sie ist eine Investition – in Ihr Können, in Ihre Patientinnen und Patienten und in das, was Sie an Ihrem Beruf lieben.
Viel Freude auf Ihrem Weg.
Ihr TO-Team



